Sie war mit einem Risiko verbunden – die Verlegung der KW Berg-Cup Meisterfeier aus dem nördlichen Schwarzwald ins liebliche Taubertal, in die Bad Mergentheimer Wandelhalle. Man wollte den Gästen entgegen kommen, wollte eine zentrale Lage mit guter Autobahnanbindung bieten. Und das, ohne an Attraktivität und Ambiente zu verlieren. Viele verschiedene Möglichkeiten wurden kritisch geprüft und verglichen, bevor die Wandelhalle den Zuschlag bekam. War die Vorbereitung und Durchführung der Siegerehrung in Wart für die Berg-Cup Vorstandschaft mittlerweile zur Routine geworden, zum „Business as usual“, so musste man in Bad Mergentheim von Null weg starten, musste alles neu organisieren. Dementsprechend hoch war die Anspannung, Lampenfieber und Nervosität stellte sich ein. Die erste Gretchenfrage lautete: Wird die neue Lokalität überhaupt angenommen, wie viele Gäste und Berg-Cup’ler werden der Einladung folgen? Sah es anfangs noch mager aus, so bildeten sich schon bald Sorgenfalten der positiven Art bei den Verantwortlichen. Und die Frage war plötzlich nicht mehr „wie bekommen wir die Wandelhalle voll“. Sondern: „Wie bringen wir alle rund 280 Angemeldeten unter?“ Schlussendlich gelang das, auch wenn hie und da etwas gezaubert und zusammen gerückt werden musste.

Auch das „Nennergebnis“ der Frühstarter für das traditionelle Freitagsprogramm sprengte den Rahmen des Erwarteten. Fast deren 80 fuhren am Abend mit dem Bus ins nahe gelegene Herbsthausen. Um heraus zu finden, wo denn das gleichnamige Pils herkommt. Und auch, wie es entsteht. Und ja, natürlich auch wie es schmeckt! Brauereibesichtigung mit anschließender Einkehr hieß der Programmpunkt offiziell.

Diese Überschrift passt. Denn 201 Rennstarter aus 7 Nationen sind die Zutaten zum großen Finale im KW Berg-Cup Gruppe H 2013, zum „Internationalen 33. ADAC Bergrennen Mickhausen“ vom 4. bis zum 6. Oktober. Das auf einer schwierigen 2,2 Kilometer Sprintstrecke vor den Toren Augsburgs ausgefahren wird. Besondere Anforderungen stellen auf dieser nicht nur die Kurven mit ihrem Mix von eng bis superschnell, sondern auch der Wechsel von freier Fläche und Waldpassagen, verbunden oftmals mit echten Licht- und Schatten-Spielen. An beiden Tagen auf feucht-nasser Piste, bei Asphalttemperaturen, die wenig gripfördernd um die 13-Grad Celsius Marke pendeln. Aber die Luft ist angenehm lau, der immer wieder einsetzende Regen fällt sanft. Zwar bleibt der ganz große Zuschauerstrom aus, aber Stimmung und Spannung sind auf höchstem Level. So, wie es sich für ein Bergrennfest eben gehört. Da stört es auch kaum, dass nicht alle Trainings- und Rennläufe wie vorgesehen durchgeführt werden können. Was in Anbetracht der Starterzahl und des Wetters ohnehin kaum zu erwarten war. Dafür verwöhnen die Top-Arbeit der Mannschaft des ASC Bobingen, die konsequent-richtigen Entscheidungen der Rennleitung und die wie immer sehr herzliche Aufnahme des Bergrennvölkchens im Örtchen Münster die Aktiven voll und ganz.

Sind Dieter Rottenberger und Jörg Weidinger bereits die KW Berg-Cup Gesamtsieger 2013? Das ist momentan die Schlüsselfrage in der Bergrennszene, die alle bewegt. Doch eine glasklare Antwort gibt es noch nicht. Zwar hat das Team mit der Startnummer 304 im BMW 318i STW seit dem Unterfranken-Wochenende die geforderten neun Top-Resultate und 895,72 Zähler sicher auf der Habenseite, aber die Verfolger Roman Sonderbauer, Björn und André Wiebe sowie die 2011er Champions Hansi Eller und Mario Minichberger könnten ebenfalls noch in dieses Punkte-Level vorstoßen. Sollte es Dieter und Jörg – der den BMW in St. Agatha pilotieren wird – allerdings bereits in Oberösterreich gelingen ihr Wolsfeld-Ergebnis um zehn oder mehr Zähler zu toppen und damit zum „Streicher“ zu machen, so sind sie uneinholbar vorn. Dazu sollte, je nach Starterzahl in der Klasse und dem Abschneiden ihrer Mitbewerber, ein Podestplatz sicher reichen. Vielleicht auch bereits eine Zielankunft in den Top-Five. Das scheint machbar, ja sogar einfach. Aber wir wissen ja: Zusammengezählt wird ganz zum Schluss! Und das könnte durchaus auch erst in Mickhausen sein, beim großen Finale. Also lassen wir ab sofort das Rechnen und das Spekulieren sein, kehren wir zurück zum 07. und 08. September, zum „46. Int. AvD/GAMSC Bergrennen Unterfranken“.

Das in der 2013er Auflage mit 146 Startern aufwartete, ergänzt durch knapp über 40     Teilnehmer an der Gleichmäßigkeitsprüfung (GLP). Der Trainingssamstag begann pünktlich, warm und trocken. Doch kaum war der letzte Tourenwagen im ersten Lauf oben, begann es für rund zwei Stunden teils heftig zu regnen. Im zweiten Heat trockneten die 3,050 Kilometer des Umpfenbacher Berges nur zögerlich teilweise ab, die Bedingungen waren schwierig und unberechenbar. Mehrere technische Defekte und Ausrutscher brachten den Zeitplan in Bedrängnis. Mehr als zwei Auffahrten waren nicht drin. Zum Rennstart am Sonntag um 08:30 Uhr präsentierte sich der Unterfranken-Asphalt nass, trocknete aber nach dem baldigen Ende der Niederschläge mehr und mehr ab, die Zeiten verbesserten sich ständig. Dennoch dauerte der erste Durchgang, gestreckt durch diverse Vorfälle, bis zur Mittagspause. Danach lief plötzlich alles wie am Schnürchen, Run zwei und drei waren beste Werbung für den Bergrennsport, zügig, schnell, attraktiv, spannend – einfach schön! Dazu passend das Rennende kurz nach 17:00 Uhr. Apropos Rennen: Lasst uns nun endlich mit dem Blick in die Klassen des KW Berg-Cups beginnen!

Die schlechte Nachricht zuerst: Wegen unaufschiebbarer Termine des Chronisten wird der gewohnte ausführliche Rennbericht erst bis Dienstag oder Mittwoch fertig werden – sorry, es geht diesmal auch beim besten Willen nicht anders. Aber für ein paar Kurzinfos aus den Klassen mit KW Berg-Cup Beteiligung muss ganz einfach Zeit sein. Wobei ich davon ausgehe, dass die reinen Resultate bei den Fans ohnehin schon bekannt sind.

Lasst uns mit dem Training starten. In dem die Tourenwagen dreimal probieren konnten, die Rennsportfahrzeuge wegen der einbrechenden Dämmerung einmal weniger. Eine absolut korrekte Entscheidung. Bei den Gruppe H 1150ern sorgt Tobias Stegmann für leichte Aufregung, er dreht sich auf der nassen Piste, sein Schneider Audi 50 bleibt aber weitestgehend heil. In Mickhausen gibt es auch eine H-1600, aus der sich Werner Opl (VW Scirocco) nach Probedurchgang eins mit Elektrikproblemen abmelden muss. Und auch wenn die KW Berg-Cup Boliden traditionell mit Verbrennungsmotoren fahren, etwas elektrische Energie brauchen sie doch. So muss Patrick Orth zunächst ein Lichtmaschinenproblem lösen, bevor er mit dem BMW 320 iS ab dem zweiten Trainingslauf mitmischen kann. Die 20-jährige Carina Miller dreht sich bei ihrem ersten Bergabenteuer mit dem Alfa Romeo Diesel im zweiten Probegalopp, kann aber weiter mit dabei sein. In den E1/FS Gruppen steigt Bernhard Schad (VW Golf) erst in der zweiten Auffahrt ein. Bei den 1600ern reißt ein Dreher mit Heck-Feindberührung Thomas Klingelberger im VW Polo Kit-Car aus dem Wettbewerb. Dieses Schicksal widerfährt auch 2-Liter Pilot Mario Minichberger im VW Scirocco – keine Chance mehr, das KW Berg-Cup Punktekonto weiter aufzustocken. In der großen Klasse der E2-SH schaffen beide Opel Astra V8 DTM nicht alle Übungsdurchgänge. Sebastian Schmitt tritt erst zum Zweiten an, Klaus Hoffmann muss im Dritten passen.

Und damit zum Rennen, das ebenfalls nicht mehr als zwei Auffahrten zulässt, die wie am Samstag auf nassem Geläuf ausgefahren werden. In diesen bleibt die KW Berg-Cup Abordnung bis auf wenige Ausnahmen von gröberem Unbill verschont. Zumindest wenn wir die üblichen Positionswechsel und kleineren Problemchen für diese Momentaufnahme außen vor lassen. In der H 2-Liter gibt der Motor des Renault Megane Coupé von Bea Flik den Geist auf. Nach der Zieldurchfahrt des zweiten Heats endgültig, mit Leistung geizt er schon vorher. Bea wird gewertet, aber sie verliert Plätze. Der Pechvogel der E1/FS 1600 heißt Tobias Auchter. Im ersten Run dreht er sich mit dem Zöllner Corsa zwischen Antoniusbuche und Tierhold-Karussell so heftig, dass an ein Weiterfahren nicht mehr zu denken ist. Am 2-Liter VW Golf 16V des schnellen Vorarlbergers Christoph Lampert bricht bei der zweiten Schikanendurchfahrt die linke vordere Bremsscheibe, das Rad blockiert, der Kontakt mit den Betonleitelementen ist nicht zu verhindern – das Aus für den Klassen Leader. Der Sonntag bringt wieder kein Glück für die Piloten der ex-DTM Astras. Basti Schmitt erscheint zu Run zwei nicht mehr an der Ampel. Noch heftiger trifft es Klaus Hoffmann. Am Vorstart zum zweiten Lauf stirbt der Motor ab, wird durch eine Schiebeaktion aber wieder zum Leben erweckt. Allerdings nur kurz, nach der Kastner-Startgerade hat das Triebwerk keine Lust mehr auf Höhenluft, der Astra rollt antriebslos aus.

So, nun ist das kleine Zeitfenster zum Schreiben leider aufgebraucht. Aber vielleicht machen die wenigen Zeilen Lust auf mehr. Vielleicht klappt es ja schon bis Dienstagabend mit der ausführlichen Berichterstattung des Mickhausen Events. Denn wenn auch nicht alle ausgeschriebenen Läufe gefahren werden konnten, spannend war es allemal, vor und hinter den Kulissen. Und das schauen wir uns in Kürze gemeinsam an – versprochen, großes Bergrennehrenwort.

Oder doch? Aber jedes „was, wäre, wenn“ bringt nachträglich nichts mehr. Fakt ist, was in den Endergebnislisten des 44. ADAC/MSC-Rhön Hauenstein Bergrennens vom 17. und 18. August 2013 steht. Warum diese orakelhafte Einleitung? Nun, nach einem Training bei perfekten Bedingungen zeigte sich der Rennsonntag zunächst lediglich etwas kühler und bewölkter. Pünktlicher Beginn um 8:30 Uhr, mit „Business as usual“. In Lauf eins und anfangs auch in Lauf zwei. Bis kurz vor Schluss des Tourenwagenfeldes, als sich die Ereignisse plötzlich fast überschlagen. Und beinahe auch ein Rennauto. Zwei Dinge passieren parallel. Michael Dandls BMW verliert im oberen Abschnitt der 4,2 Kilometer Highspeedstrecke Teile. Die versperren dem zügig herannahenden Herbert Stolz bei Posten 20 die Bahn. Der Porsche 935 DP II wird mit der roten Flagge gestoppt. Gleichzeitig geht Klaus Hoffmann bei Posten 7 die Straße aus. Unfreiwillig erkundet der Kitzinger mit dem Opel Astra V8 die Beschaffenheit eines Maisfeldes, findet diesen Untergrund für ein ex-DTM Auto aber wenig geeignet. Bei dieser Aktion zieht Klaus nicht nur seinen Boliden in Mitleidenschaft, sondern – dafür kann er natürlich nichts – auch fast der Veranstaltung den Stecker. Exakt ausgedrückt: Die Bergrenn-Nervenbahn, das Zeitnahme-Datenkabel, wird kompliziert durchtrennt. Die Reparatur-Operation gestaltet sich schwierig, gelingt aber unter vollem Einsatz der Beteiligten. Allerdings verstreichen gut und gerne 2 ½ fast endlos scheinende Stunden. Sebastian Schmitt steht derweil als letzter der Abteilung „Fahrzeuge mit Dach“ immer noch am Start. Der Hoffmann Astra ist da schon auf dem Abschlepper ins Fahrerlager verbracht worden, Herbert Stolz zum Restart nach unten geführt. Alles freut sich, es geht weiter, Spannung und Brisanz ist in fast allen Klassen gegeben. Super! Da beginnt es zu regnen. Erst sanft, dann stärker. Das Rennen wird zum „Wet-Race“ erklärt. Sebastian Schmitt taucht ebenso im Fahrerlager unter wie die mit ihm im Vorstartbereich wartenden Rennsportfahrzeuge. Als es weitergeht, fehlt der Flügeltür Opel Astra von Sebastian Schmitt. Wegen mangelnder Regenerfahrung wird das ex-DTM Auto zurück gezogen. Verständlich, Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut. Der 28-Jährige hat genügend Zeit um sein neues Berg-Projekt in Ruhe voran zu treiben. Routinier Herbert Stolz eröffnet den Regentanz, die Rennsportfahrzeuge folgen ihm. Auch der dritte Durchgang, der letztlich das Finale bildet, findet unter feucht-nassen Bedingungen statt. Der vierte Run entfällt, eine absolut richtige Entscheidung des Veranstalters.

Eine Kür, das trifft es auf den Punkt genau. Denn so kann man das Internationale Auto-Bergrennen Esthofen – St. Agatha in Oberösterreich am 21. und 22. September mit Fug und Recht bezeichnen. Okay, am Trainingssamstag, der um 13:00 Uhr begann, sorgten einige längere Unterbrechungen für eine leichte Verzögerung in den beiden trockenen Läufen. Wobei die top motivierte Mannschaft des veranstaltenden MSC Rottenegg alle Probleme schnellstens in den Griff bekam, sieben auf einen Streich verschobene Betonleitelemente inklusive. Der Rennsonntag bot prickelnden Bergrennsport vom Feinsten im besonderen St. Agatha Format bei freundlichem Herbstwetter. Ein finaler Übungsdurchgang ab 09:00 Uhr, Rennstart pünktlichst um 12:30 Uhr, zwei alles entscheidende Heats á 3,2 flüssig-schnelle Kilometer, letzter Zieleinlauf gegen 16:15 Uhr, um 17:00 Uhr nach der Rückführung der Teilnehmer durch ein Meer begeisterter Zuschauer bereits der Beginn der „Flower-Ceremony“ für die schnellsten Tourenwagen- und Rennsportfahrzeugpiloten – Bergrennsportherz, was willst Du mehr?

Zwei lange heiße Tage mit vollem Programm auf und neben der Piste beim nördlichsten Bergrennen Deutschlands. 162 Teilnehmer aller Couleur und das Rahmengeschehen strapazierten den Zeitplan und das 2030 Meter lange Asphaltband des Uphöfener Berges im Osnabrücker Land am 03. und 04. August 2013 gleichermaßen. Vor allem im dritten Wertungslauf am Sonntag waren die Bedingungen zumindest zeitweilig grenzwertig, beeinflussten zum Teil die Resultate, sorgten für überraschende Wendungen. Auch in den Klassen des KW Berg-Cups Gruppe H, wie wir gleich erfahren werden.

Der zurzeit einzige 1150er Gruppe H 16-Ventiler – das Schneider Polo Coupé – wird im „hohen Norden“ von Jürgen Schneider himself pilotiert. Von Anfang an nimmt er das (Klassen-) Heft fest in die Hand, tobt im Training genauso vorne weg wie in Rennlauf eins und zwei. Beruhigende 5,474 Sekunden beträgt sein Vorsprung auf Tobias Stegmann im Schneider Audi 50 bereits, dem wiederum Tobias Klimsa (Schneider Polo) mit dem Minimalabstand von 19 Hundertstelsekunden im Nacken sitzt. Zu diesem Zeitpunkt ist Peter Richter schon zum Zuschauen verurteilt. Im ersten Heat macht eine Ventilspiel-Einstellkappe schlapp, bricht und zwingt den Entsorgungsberater dazu, den Capricorn Polo abzustellen. Jürgen Schneider seinerseits beschließt nun, sichere „Big-Points“ aus Osnabrück mitzunehmen. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Er startet zum dritten Run, beschleunigt, bremst die erste Kurve früher an als sonst, lenkt ein, wählt eine enge Linie. Urplötzlich bricht das Polo Heck aus. So unerwartet und untypisch, dass Jürgen es nicht mehr einfangen kann, breitseits rutscht der Polo in die Reifenstapel. Vorbei. Ein technischer Fehler lässt sich – auch bei nachträglicher Untersuchung – nicht finden, dafür ein großes Stück Asphalt auf dem in der Linkskurve stark belasteten rechten Hinterreifen. Von da an sind die 8-Ventiler unter sich. Das Zwischenklassement nach dem dritten Wertungslauf hat bis Rennende Bestand. Der Sieger heißt Tobi Stegmann. Er gewinnt vor Tobias Klimsa (P2) und Bernd Deutsch (P3) im zweiten Schneider Audi 50. Vierter ist Rolf Rauch im positanogelben Fiat 128 Coupé. Lena Sieberts Autobianchi fällt in der dritten Auffahrt der Defekthexe zum Opfer, die anscheinend ihr Domizil an der Märchenstraße verlassen hat um mit dem KW Berg-Cup auf Tournee zu gehen.

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