Tja, Überraschungen gab es echt viele. Eine davon betrifft das traditionell eher launische Wetter. Das sich diesmal stabil, trocken und vor allem heiß präsentierte. Was die Wahl der passenden Reifen erleichterte, und erkenntnisbringende Setup-Arbeiten zuließ. An jedem der beiden Veranstaltungstage gingen die drei geplanten Auffahrten trotz relativ vieler, glücklicherweise harmloser, Vorfälle über die 1,640 Kilometer kurze Strecke, deren zahlreiche Kurvenkombinationen und Kehren hohe Anforderungen an die Piloten stellten. Für die 107 gestarteten Rennfahrenden galt beim 62. ADAC/EMSC Wolsfelder Bergrennen der Modus „die besten zwei aus drei Rennläufen“. Okay, ihr fragt jetzt zurecht nach den weiteren Überraschungen, liebe Leser. Lasst uns diese daher ab sofort gemeinsam im Renngeschehen suchen.
Das beginnen wir, ganz gemäß der Startreihenfolge, mit dem NSU-Bergpokal. In dem Jörg Höber, der schon mehrere Jahre kein volles Rennprogramm mehr absolviert hatte, auf Anhieb im ersten Trainingsdurchgang die Bestzeit setzt. Übrigens im TT von Dieter Kohl, mit dem Jörg in der gerade laufenden 25. NSU-Bergpokal Saison ein Team bildet. Sofort danach übernimmt allerdings Jannik Hofmann die Spitze, sprintet zum klaren Sieg. Im ersten Race-Heat verbessert er so ganz nebenbei den 2018 von Jörg Davidovic aufgestellten NSU-Bergpokal Streckenrekord um 0,165 Sekunden auf 1:12,511. Als Zweiter fliegt Jörg Höber über die finale Ziellinie, ihm folgt Uwe Schindler mit etwas Respektabstand. Die Ränge vier und fünf gehen an Senior Werner Voigt und Youngster Laurin Krystofiak. Zusätzlich darf sich Jörg Höber über den größten NSU-Klassikwertungspokal freuen, die Ränge zwei und drei gehen hier an Walter Voigt und Roman Szott.
Jetzt Trommelwirbel für die nächste Überraschung, eine volle Klassik-Klasse bis 1150 Kubik-Zentimeter. Fünf Fahrzeuge nehmen in dieser das Training auf. Leider muss Jürgen Heßberger seinen Fiat 127 Sport Martini Racing nach den Übungsauffahrten zurück ziehen. Schaltprobleme sind der Grund dafür. Zwei Schneider Audi 50 fühlen sich derweil für die Pace zuständig. Tobias Stegmann und Bernd Deutsch belegen, getrennt durch 2,596 Sekunden, die Plätze eins und zwei. Rolf Rauch beendet sein Wolsfeld-Wochenende im Fiat 128 Rally als Dritter, Jennifer Kaufel-Meier fährt ihren Fiat 850 auf Position vier. Tobi Stegmann hat damit seine klare Ansage vom Samstagabend perfekt umgesetzt: „Ich bin hierhergekommen, um zu gewinnen!“
Wir könnten nun hier kurz diskutieren, ob 14 angereiste 1400er tatsächlich eine Überraschung sind oder nicht, befassen uns aber lieber direkt mit dem Rennen. Marcel Hellberg sitzt in der Eifel erstmals als Teampartner von Markus Hülsmann im Cockpit dessen VW Golf 1 16V, treibt diesen und sich selbst zu Höchstleistungen, gewinnt 2,685 Sekunden vor Steffen Hofmann (NSU TT 16V). Der muss sich mächtig strecken und im Finale eine Fabelzeit auf die Piste zaubern, um diesen zweiten Rang zu erreichen. Schlussendlich beendet er das Rennen 0,128 Sekunden vor Thomas Pröschel, der mit dem VW Schneider Corrrado 16V nach Auffahrt zwei den Stecker ziehen und sich abmelden muss. Hinter dem Spitzentrio läuft ein superspannender 8-Ventiler Krimi. Die Hauptdarsteller heißen Frank Lohmann, Nils Abb, Philipp Plein und Simon Markert, die in der genannten Reihenfolge die Positionen vier bis sieben beziehen. Sie liegen innerhalb eines Fensters von nur 1,756 Sekunden zusammen. Ihrem Frontmann, Frank Lohmann, fehlen nebenbei bemerkt auf den Dritten, Thomas Pröschel, lediglich knappe sieben Zehntel. Für Nils Abb ist Wolsfeld ein Rennen mit Handicap. Im zweiten Run macht eine Antriebswelle des Schneider Polo schlapp. Bis zum Finale ist zwar alles wieder in Ordnung, den 1400er KW 8V-Trophy Sieg kann er aber Frank Lohmann nicht mehr entreißen.
1,6-Liter sind in der Eifel Mangelware. Nur Robert Maslonka rollt seinen VW Polo 86C G60 an den Start. Das Regelbuch sagt klar: Zusammenlegung mit den 2-Litern. Das schreckt Robert nicht ab, sein Einsatz wird mit Podestplatz drei belohnt. Vor ihm platzieren sich Werner Weiss (Ford Escort RS 1800) und Lars Heisel, der mit seinem Opel Böhm Kadett 16V Superzeiten auf die Strecke zaubert und die Klasse gewinnt. Auf Position vier kreuzt Youngster Marvin Ruwe im VW Minichberger Golf 1 GTI 16V die Ziellinie.
Drei Opel Kadett gegen einen BMW. Das ist die Story der Abteilung bis 3000 Kubik. Als Favorit gilt Michael Ostermann im C Coupé 16V. Dieser Rolle wird er voll gerecht. Er gewinnt vor Marken- und Typenkollege Thomas Claus, der nach dem Wechsel vom 2- auf ein 2,5-Liter 16V Aggregat sein erstes KW Berg-Cup Rennen bestreitet. In der Kadett C Frank Limousine ist Roland Christall in seiner Klasse Dritter und KW 8V-Trophy Sieger. Rang vier geht an André Bunte, der im BMW E30 unterwegs ist.
Für Frank Bamberg ist Wolsfeld ein Rollout. Denn seine vorhandene, einem BMW M4 entnommene Technik, hat er nun in eine E36 Coupé Karosse implantiert. Daher hat er die Neuschöpfung auf den Namen BMW E36 M4 R Coupé getauft. Leider fristet er das Dasein eines Alleinunterhalters. Von Lauf zu Lauf wird er beständig schneller, nur im letzten Run ist er nicht mehr mit von der Partie.
Damit von den Hubraumklassen zu den nach Performancefactor (Pf) unterteilten Abteilungen. Die mit neun Autos besetzte 5c entscheidet Youngster Fabian Brügge mit seinem BMW E36 325i für sich. Herbert Schmitz fährt im Opel Astra GSi einen hervorragenden zweiten Platz heraus. Rang drei geht an den Luxemburger Chris Koenig (Citroen Saxo VTS), Axel Milek wird im VW Golf 1 8V Vierter, Rookie Marco Wöhr pilotiert seinen Opel Astra F GSi 16V zu Rang fünf.
Die 5b sieht den Sieg des Belgiers Jean-Francois Lepot im Peugeot 205 junior. Mit ihm steigen Kira Gerspacher (VW Golf 3 GTI) als Zweite und Roman Ahke (Opel Corsa B GSi) als Dritter aufs Podium. Jürgen Thieme (VW Lupo GTI) beendet sein Wolsfeld-Wochenende auf Position vier.
Fesselnd verläuft das Duell um den Gewinn der Klasse 5a. Der routinierte Walter Terler (Opel Kadett C Coupé) muss alle Register ziehen und im dritten Run eine Topzeit fahren, um Leopold Gast mit seinem Renault Clio 4 Cup um winzige 0,260 Sekunden hinter sich zu halten. Wobei Leopold unter dem Druck stand, im dritten Lauf absolut fehlerlos und schnell agieren zu müssen, da er in seine zweite Auffahrt einen kleinen Fehler eingebaut hatte. Rang drei holt sich Johannes Dambach (Nissan Micra) vor Thomas Flik im Renault Clio 3 Cup, der dem Franzosen Romain Fontanelle im Peugeot 205 exakt 35 Tausendstelsekunden voraus ist.
Auch in der 4b ist es ganz vorne ultraeng. Final trennen 1,143 Sekunden den Sieger Jens Weber (Opel Kadett C Coupé 16V) vom Zweiten. Das ist Jürgen Gerspacher im ex-Wolfi Glas VW Golf 1 16-Ventiler. Rang drei sichert sich als schnellster KW 8V-Trophy Mann der 4b Stefan Schäfer in seiner bewährten, selbst aufgebauten Opel Kadett C Limousine.
Die 4a erlebt die Auseinandersetzung zwischen Andy Heindrichs (Opel Wiebe Corsa 16V) und Ralph Paulick im VW Minichberger Golf 1 16V. Die Entscheidung fällt final hauchdünn um 0,476 Sekunden zugunsten von Andy Heindrichs. Den dritten Platz auf dem Podium holt sich Ralf Kleinsorg mit seinem Sechszylinder BMW 325i.
Mit drei 1:09er Zeiten gewinnt Bob Kellen die 3b. Sein Arbeitsgerät ist ein im Rallye-Trimm gehaltener Gruppe 4 Ford Escort RS 2000. 2,099 Sekunden dahinter läuft Pascal Ehrmann mit seinem Subaru Impreza WRX STI als Zweiter ein. Rang drei geht nach Belgien, an Eddy Harlaux im radikal umgebauten Simca Busa. Karl-Heinz Müller hadert mit technischen Problemen seines BMW M140i. Dennoch rettet er Position vier.
3a-Doppelsieg für die Familie Orth. Junior Patrick gewinnt vor Papa Ralf (beide Porsche 911 GT3). Luxemburgs Steve Jung folgt im Seat Leon Cupra TCR als Dritter. Leider ist Patrick nur in den zwei ersten Auffahrten dabei, das Getriebe bereitet Sorgen in Form von Geräuschen, die es nicht produzieren sollte. Zur Sicherheit wird im dritten Heat nicht mehr angetreten, was, wie wir noch sehen werden, Auswirkungen auf die Tourenwagen-Gesamtwertung hat.
„The flying Finn is back“ betiteln wir die Pf 2. Bis Freitagabend hat Mikko Kataja an seinem Toyota Starlet unermüdlich geschraubt, die KW Berg-Cup Sponsorenkleber bringt er spät am Samstag an. Den Trainingssonntag nutzt er als Rollout und Test, lässt da noch Michel Fernandes im Porsche 992 GT3 Cup generös den Vortritt. Am Rennmontag allerdings dreht Mikko voll auf, demonstriert die Vorzüge seines V8-Motors, gewinnt mit einem Polster von 3,446 Sekunden vor dem Luxemburger GT3-Piloten. Gegen die beiden an der Spitze findet selbst Charles Valentiny trotz richtig hoher Motorenpower in seinem Allrad getriebenen Subaru Impreza WRX STI kein Mittel, der Luxemburger muss sich mit Position drei zufrieden geben.
In der Pf 1 teilt Nicole Prinzing das Schicksal von Frank Bamberg bei den Klassikern über 3-Liter Hubraum. Mit ihrem bärenstarken Audi TT ist sie leider allein unterwegs, verliert dadurch aber nichts an Motivation, wird auf dem ihr neuen, tricky Kurs von Lauf zu Lauf deutlich schneller.
Stichwort schnell, das ist die perfekte Überleitung zum Tourenwagen-Gesamt. Das sich in Wolsfeld spannend wie selten zuvor präsentiert. Der Infight läuft zwischen Michael Ostermann (Opel Kadett C GT/E), Patrick Orth im Porsche 997 GT3 Cup und Mikko Kataja mit seinem Toyota Starlet V8. Die erste Auffahrt sieht Patrick Orth vorne. Im zweiten Heat fährt er 1:05,730, verbessert sich damit um 0,287 Sekunden. Danach zieht ihn die böse Defekthexe aus dem Verkehr, sie nagt am Getriebe. Was Patrick vielleicht noch hätte leisten können, bleibt Spekulation. Wir aber halten uns strikt an die Fakten. Und die besagen, dass alle drei innerhalb von 0,168 Sekunden liegen. Mit Patrick an der Spitze, gefolgt von Mikko und Michael. Patrick kann jetzt nur mehr beobachten. Michael gelingt ein optimaler Lauf. Seine 1:05,388 sind die schnellste Tourenwagenzeit des Wochenendes. Die Formel „die besten zwei aus drei“ bringt ihn an die Spitze, er gewinnt vor Patrick und Mikko. Die finalen Abstände? 0,318 Sekunden liegen zwischen dem 2,5-Liter Kadett und dem 997 GT3 Porsche. Mikkos Toyota folgt im Windschatten, 0,168 Sekunden fehlen auf Patrick. Das Tourenwagen-Podest Fenster ist 0,486 Sekunden klein. In der Gesamtwertung sind das die Positionen acht, neun und zehn. Viertschnellster der Division 1 ist im 1600er Opel Wiebe Corsa 16V Andy Heindrichs, Fünfter Ralph Paulick mit seinem VW Golf 1 Minichberger 16V.
Lasst uns noch schnell die E2-SH Renner betrachten, bei denen David gegen Goliath gewinnt. Im knapp über 500 Kilo wiegenden und etwas über 200 PS starken Silver Car S2 Evo hält Marco Farrenkopf die beiden von Ford-Fünfzylindermotoren angetriebenen Lamera Cup Autos von Thierry Schloesser und Gilles Bruckner hinter sich.
Ohne Wetterfrosch zu sein wage ich die Prognose: Der Juni wird heiß! Sportlich gesehen auf jeden Fall. Denn er führt den NSU-Bergpokal und den KW Berg-Cup ins schweizerische Hemberg (05.-07.), nur eine Woche später gehts zum Europa-Berg-Meisterschaftslauf an den Glasbach (12.-14.) und vom 26. bis zum 28. Juni steht das Ibergrennen im Kalender. Bitte notiert euch – falls noch nicht geschehen – diese Termine, liebe NSU-Bergpokal und KW Berg-Cup Freunde. Besucht die Rennen, ihr unterstützt damit die Veranstalter und uns vom Berg-Cup e.V. Wir freuen uns auf euch, bis dann!
Uli Kohl, 27.05.2026
Nur eine Woche nach dem 24-Stunden Rennen auf dem Nürburgring verlagert sich das Fan-Interesse lediglich gut eine Autostunde südwestlich nach Wolsfeld. Dort, in der Nähe von Bitburg, geht vom 23. bis zum 25. Mai das 62. ADAC/EMSC Wolsfelder Bergrennen in Szene. Mit der Zeitaufteilung genüsslicher Fahrerlagerbummel am Samstag, dann Training sonntags und Rennen am Pfingstmontag. Gefahren werden jeweils drei Läufe, deren Beginn auf 8:00 Uhr festgelegt ist. Vor den Fahrerinnen und Fahrern liegt dann die mit 1,64 Kilometern kürzeste Strecke im Kalender. Die es aber mit ihrem tricky Layout, den ineinander übergehenden, engen Kurven und Kehren, absolut in sich hat. Es gibt keine Möglichkeit zum Entspannen, und natürlich auch keinen Platz für Fehler, nicht einmal für die allerkleinsten. Dass von den drei Race-Heats lediglich die besten zwei zur Wertung herangezogen werden, beruhigt die Aktiven nur minimal. Denn man weiß im Vorhinein ja nie wirklich genau, was der Rennverlauf so alles an Unwägbarkeiten bereit hält.
Auf die Fans wartet ein sehenswerter Mix aus Fahrzeugen, insgesamt sind beim Veranstalter Eifel Motor Sport Club Bitburg e.V. im ADAC knapp 160 Nennungen eingegangen. 115 davon betreffen das Rennen auf Bestzeit, für das sich wieder erfreulich viele Gipfelstürmer aus Luxemburg angemeldet haben, für die es in der Eifel ebenfalls um Zähler zu ihrem Championat geht. Im so entstandenen, über 90 Fahrzeuge starken Tourenwagenfeld der Division 1, gehören mehr als die Hälfte der Teilnehmer zum NSU-Bergpokal und zum KW Berg-Cup, dessen neu geschaffene Division Klassik dazu den Löwenanteil beiträgt, darunter zu finden eine mit fünf Rennern aufwartende 1150er-Klasse. Die unmittelbar danach startende 1,4-Liter-Abteilung bildet mit 14 Fahrzeugen die zahlenmäßig stärkste Abordnung des Rennens. Hier wird es in Abwesenheit des VW Minichberger Scirocco Teams Armin Ebenhöh/Tobias Mayer sicherlich einen hochinteressanten Fight um den Klassensieg geben. Auch in allen weiteren Hubraum- und Performancefactor-Abteilungen ist Action und Spannung vorprogrammiert. Greifen doch einige Gipfelsprinter erst jetzt ins Geschehen der Saison 2026 ein. Darunter zum Beispiel der fliegende Finne Mikko Kataja mit seinem V8 befeuerten Toyota Starlet.
Um über Zwischenstände in NSU-Bergpokal, KW Berg-Cup und DBM zu sprechen ist es jetzt noch etwas zu früh. Eine erste, wirklich solide Betrachtung dürfte Ende Juni ins Auge zu fassen sein. Also dann, wenn nach Wolsfeld die Rennen Hemberg in der Schweiz (05.-07.06.) sowie die Thüringer Events Glasbach (12.-14.06.) und Iberg (26.-28.06.) gelaufen sind.
Vorher treffen wir uns aber auf jeden Fall in Wolsfeld, in der oder auf ein Bit, das es ja übrigens auch alkoholfrei gibt. Wir vom Berg-Cup e.V. und der Eifel Motor Sport Club Bitburg würden uns auf jeden Fall über euren Besuch riesig freuen, liebe NSU-Bergpokal und KW Berg-Cup Freunde und Fans. Also bis dann!
Uli Kohl, 19.05.2026
Mit Freude sieht die Szene dem Auftakt der 38. KW Berg-Cup Saison entgegen, trifft engagiert ihre finalen Vorbereitungen. Nur mehr zehn Tage sind es bis zum ersten Rennen, dem 21. Int. ADAC Bergpreis Schottenring. Mitten hinein in diese positive Stimmung platzt völlig überraschend die bestürzende Nachricht, dass unser Technischer Kommissar Rüdiger Kleinschmidt einen schweren Herzinfarkt erlitten hat. Die ganze große Berg-Familie drückt ihm spontan die Daumen zur Genesung. Leider vergeblich, denn trotz aller ärztlichen Bemühungen verstirbt Rüdiger Kleinschmidt am 17. April im Krankenhaus. Das verwandelt die Bestürzung in einen tiefen Schock.

Rüdiger sollte zu keinem Rennen mehr kommen, keine Autos mehr abnehmen, keine fundierten technischen Ratschläge mehr erteilen, keine Wiegungen, Vermessungen und Kontrollen mehr durchführen? Mit nur 65 Jahren sollte er einfach aus unserer Mitte gerissen worden sein? Man kann es nicht glauben, nicht fassen. Der Gedanke wirkt irreal, scheint ein böser Traum zu sein. Und doch ist er leider tieftraurige Realität.
Mit Rüdiger Kleinschmidt verliert der Berg-Cup e.V., und mit ihm die komplette Berg- und Motorsportszene, eines ihrer festen Bestandteile. Verliert Einen, der Motorsport und seine Tätigkeit als Technischer Kommissar von der Pike auf nicht nur gründlich gelernt, sondern vor allem praktiziert, gelebt und geliebt hat. Mit 22 startet er 1982 seinen motorsportlichen Werdegang als Aktiver. Acht Saisons lang fährt er Rallyes, beginnt damit in seiner hessischen Heimat, erweitert mit der Zeit sein Einsatzgebiet. Auf einem Gruppe H VW Golf GTI holt er Podestplätze und Klassensiege, platziert sich auch in Meisterschaften vorne. 1990 lernt er Andrea kennen, die später seine Frau wird. Zeitgleich ist sein Rallye Budget erschöpft. Schweren Herzens verkauft er sein Auto samt komplettem Equipment. Übrig bleiben nur ein 20-Liter-Benzinkanister und eine Golf-Ölwanne. Da für Rüdiger ein Leben ohne Motorsport keine Option ist, verlegt er sich aufs Zuschauen. Das füllt ihn aber nicht aus. Er beschließt, auf die Seite der Organisatoren zu wechseln. Als gelernter Maschinenschlosser und späterer Maschinenbau-Techniker bringt er ideale Voraussetzungen für eine TK-Laufbahn mit. 1992 beginnt er seine Ausbildung zum Technischen Kommissar (TK). Nur ein Jahr danach besitzt er die Nationale Lizenz, ab 1995 die Internationale. Sieben Saisons lang kümmert er sich bei Veranstaltungen aller Art um die Technik der teilnehmenden Autos. 2001 kommt der Kontakt zum Berg-Cup zustande. Georg Plasa, unser unvergessener Top-Fahrer, Vordenker, Taktiker und Visionär spricht Rüdiger an und fragt, ob er sich vorstellen könne, im Berg-Cup als Nachfolger von Harald Herr die Rolle eines permanenten Technischen Kommissars zu übernehmen. So mit etwa zwölf Veranstaltungen im Jahr, in Deutschland und darum herum, in der Regel im 14-tägigen Rhythmus. Rüdiger bittet um kurze Bedenkzeit, bespricht die angebotene Herausforderung mit Andrea, sagt danach für ein Probejahr zu. 2002 wird seine erste Saison, seitdem ist er ohne Unterbrechung dabei. In dieser langen Zeit hat er den Berg-Cup und seine Aktiven vorbildlich unterstützt. War in 24/7 Manier immer ansprechbar und bereit zu helfen. Egal ob beratend oder vermittelnd, er versuchte immer, gangbare Wege zu finden. Seine diplomatischen Fähigkeiten ermöglichten so manchen Bergfahrern ihren Auslandsstart.
Rüdiger Kleinschmidts souveräne Arbeit blieb nicht im Verborgenen. Der DMSB wurde auf ihn aufmerksam, griff in speziellen Berg-Fragen immer mehr auf sein Knowhow und seine Expertise zurück. Als Referent schulte er in der DMSB-Academy seine Kollegen. 2018 ging es noch einen Schritt weiter. Die Welt-Motorsportbehörde FIA bat ihn um seine Dienste, wollte ihn als TK für ihren International FIA Hill Climb Cup. In seiner neuen Funktion arbeitete er auch mit Gorden Forbes, besuchte neue Rennstrecken in ganz Europa. Seinen KW Berg-Cup vernachlässigte er dabei in keinster Art und Weise, war immer für uns da. Rüdigers FIA-Engagement, das für ihn sicherlich ein verdientes Highlight darstellte, wurde 2024 mit dem Ende des Hill Climb Cups zurückgefahren.
Rüdiger Kleinschmidt war für den Berg-Cup viel mehr als ein TK, erledigte Dinge, die mit seiner eigentlichen Kernaufgabe nichts zu tun hatten. So führte er mich 2005 zusammen mit seiner Frau Andrea, die ihn fast immer begleitete und unterstützte, als permanenten Sprecher des Berg-Cups in die Gipfelsprint-Szene ein, stellte mich Organisatoren und Teilnehmern vor. Danke dafür! Beruflich wechselte Rüdiger vom Maschinenbau Richtung IT. Von 2004 bis 2017 kümmerte er sich um die Berg-Cup Auswertung. Erledigte dies genauso zuverlässig und akribisch, wie er es mit seinem TK-Job immer getan hatte. Der für Rüdiger Kleinschmidt kein Job, sondern Berufung war.
Danke für alles, was Du für uns getan hast, Rüdiger. In Deinem vom Motorsport geprägten Leben, von dem Du fast ein Vierteljahrhundert dem Berg-Cup e.V. gewidmet hast. Du hinterlässt ein riesengroßes Vakuum und tiefe Trauer. Bei uns, und bei den noch viel schmerzhafter Betroffenen. Bei Deiner Frau Andrea, Deinen Angehörigen und engen Freunden, denen unser ganzes Mitgefühl gehört. Wir wünschen ihnen die Kraft und Stärke, die sie jetzt brauchen. Danke Rüdiger, wir werden Dich nie vergessen, Du wirst immer bei uns sein.
Uli Kohl, 30.04.2026

Das Großherzogtum hat nach Eschdorf eingeladen. Dort geht es natürlich um Zähler zu den eigenen Championaten, dazu gesellen sich die Belgische und die Deutsche Automobil-Berg-Meisterschaft mit ihren zwei Divisionen für Touren- und Sportwagen, der KW Berg-Cup und der NSU-Bergpokal. 140 Nennungen umfasst das Gesamtfeld, in dem sich auch zehn auf Gleichmäßigkeit fahrende Teilnehmer befinden.
1,850 Kilometer ist die Rennstrecke lang. Ihre von acht bis zehn Meter variierende Breite entspricht in der Bergszene eher einer Autobahn. Die Linienwahl macht das allerdings nicht einfacher. Der Charakter ist überwiegend flüssig und schnell. Nur gleich nach dem Start ist es eng. In hohem Maße mitentscheidend über gute und weniger gute Zeiten ist die für Zuschauer perfekt einzusehende letzte Links, aus der nochmals kurz, aber vehement, Richtung Ziel beschleunigt wird. Sofort danach muss echt hart gebremst werden, um beim Eintauchen in die Ortschaft die aus Strohballen gebildete Schikane unberührt zu lassen.
Die Besonderheit in Eschdorf ist das oberhalb des Ziels liegende Fahrerlager. Das bedeutet, die Fahrzeuge werden in Gruppen zum Start hinunter geführt, wenden dort und sprinten anschließend nach oben. Pro Tag stehen drei Läufe auf dem Programm. Der Samstag dient dem Training, der Sonntag ist Raceday. Die Luxemburger Aktiven absolvieren beim European Hill Race einen Königssprint – für sie zählt nur der beste Lauf. So wird es auch in der reinen Tageswertung praktiziert. Die Teilnehmer aller anderen Serien und Meisterschaften bringen ihre zwei schnellsten Zeiten in die Wertung ein. Diese Addition ist dann auch die Grundlage für die Punktevergabe.
Die Abnahme beginnt schon am Freitagvormittag. Das Zeittraining geht ab 9:15 Uhr in Szene, die Race-Heats starten sonntags um 8:30 Uhr. Wie wäre es denn mit einem Besuch des Events der Union des Pilotes Luxembourg? Der Veranstalter und wir vom Berg-Cup e.V. würden uns sehr darüber freuen.
Uli Kohl, 30.04.2026
Die Überschrift gilt für NSU-Bergpokal, KW Berg-Cup und Deutsche-Automobil-Berg-Meisterschaft (DBM) der Tourenwagen. Nach freiem Fahren am Freitagnachmittag und dem Trainingssamstag stehen 57 Namen in der Liste der zum Rennen auf Bestzeit zugelassenen Teilnehmer. Für sie alle gilt es, vier Läufe auf dem 3,033 Kilometer messenden Teilstück des legendären Schottenrings zu absolvieren. Mit dem langen, flüssig-technischen ersten Part, der schmalen Querspange und dem schnellen Sprint ins Ziel auf breiter Piste. Die genial kurze Rückfahrt ins Fahrerlager hatten wir schon Vorbericht geschildert. Bleibt noch das Wetter. Die Sonne lässt das Thermometer um die 15 Grad Marke pendeln. Ein Unfall im Gleichmäßigkeitsfeld (GLP) bringt den Zeitplan des Sonntags in Verzug. Daraufhin stellt die Mannschaft des MSC Rund um Schotten e.V. im ADAC die Startreihenfolge geschickt um, was zur Folge hat, dass alle auf Bestzeit fahrenden Aktiven beim 21. Int. ADAC Bergpreis Schottenring in den Genuss von vier Wertungsläufen kommen.
Damit sind wir schon mittendrin im Rennen. Zuvor bleibt nur noch kurz zu erwähnen, dass es die erste Veranstaltung mit sechs zurückgekehrten Hubraumklassen für vor dem Jahr 2000 gebaute Fahrzeugen plus Performancefactor-Abteilungen ist. Den Auftakt bildet der NSU-Bergpokal. Jannik Hofmann sichert sich hier als Sieger maximale Punkte. Deutlich vor Dieter Kohl und Laurin Krystofiak, in dessen Family-Team NSU 1200C kurzfristig ein Reservemotor installiert werden musste. Der in der Klasse Zweitplatzierte nimmt zusätzlich den größten Pokal der NSU-Klassikwertung in Empfang.
Blicken wir in die Division 1 Klassik-Abteilungen. Bis 1400 Kubik heißt der Sieger Tobias Mayer im VW Minichberger Scirocco 16V, gefolgt von Ronnie Bucher (VW Schneider Corrado 16V) und Markus Hülsmann mit seinem weiter verfeinerten VW Golf 1 16-Ventiler. Als Vierter sichert sich Frank Lohmann (VW Polo 86C) den größten 1400er KW 8V-Trophy Pokal. Zwischen ihm und dem Fünften, Steffen Hofmann im NSU TT 16V, ist es nach der Addition der drei schnellsten Rennläufe ultraeng. Wir sprechen da über exakt 59 Tausendstelsekunden!
Ein heißes Duell liefern sich bei den 2-Litern Bernd Ehrle im Opel Minichberger Kadett C Coupé und Lars Heisel im Fahrzeug gleichen Typs mit Böhm-Technik unter der Haube. 0,357 Sekunden geben final den Ausschlag zugunsten von Bernd Ehrle. Als Dritter fährt Werner Weiss im Ford Escort RS 1800 mit aufs Podium. Vierter wird der mit den Rennern bis 2000 Kubik zusammengelegte Robert Maslonka mit seinem aufgeladenen VW Polo G60.
Den Sieg bis 3 Liter Hubraum sichert sich Alexander Wolk (VW Minichberger Golf 2 Turbo) souverän vor Felix Bürker, der mit seiner Opel Frank Kadett C Limousine zugleich klassenbester KW 8V-Trophy Pilot ist, und André Bunte im BMW E30.
Nehmen wir uns als nächstes die Pf-Klassen vor, beginnend mit der 5c. In der Rookie Fabian Brügge eine beeindruckende Pace anschlägt und im BMW 325i deutlich vor Ralf Fladung und Neueinsteiger Pascal Herbig (beide Peugeot 206 RC) gewinnt.
Die kombinierte 5a und 5b erlebt den Sieg von Joshua Korbach im BMW 323ti. Die beiden restlichen Podestplätze sichern sich Thomas Flik (Renault Clio 3 Cup) und Jan Heß im Opel Schneider Astra GSi 16V. Zwischen Position zwei und drei liegen am Ende 2,717 Sekunden.
Die mit der 4a zusammengelegte 4b wird zur Beute von Jens Weber im Opel Kadett C 16V. Achim Kreim pilotiert seinen Mitsubishi Lancer Evo 8 auf Rang zwei, Karl-Heinz Schlachter beendet sein Schottenring-Wochenende als Dritter. In seinem BMW 2002 ti Alpina sichert er sich obendrein den 4a KW 8V-Trophy Pokal.
Die 3b sieht einen BMW-Sieg vor zwei Subaru WRX STi. Die Namen dazu sind René Frank (Schnitzer M3 E30 DTM), Christian Fouquet und Pascal Ehrmann. Karl-Heinz Müller fährt seinen BMW M 140i auf Rang vier.
Doppelerfolg für Porsche (jeweils 911 GT3 Cup) in der 3a. Rainer Noller gewinnt im lang übersetzten Rundstreckenauto 1,899 Sekunden vor Florian Heß. In dessen Windschatten fliegt Kai Neu als Dritter über die Ziellinie. Mit seinem NSport Ford liegt er 0,962 Sekunden hinter Florian Heß zurück. Auf einem weiteren Porsche, einem 997 GT3, belegt Albert Vogt die vierte Position.
In der Pf 1 ist Nicole Prinzing im Audi TT als Alleinunterhalterin mit ansprechenden Zeiten unterwegs zu Platz eins.
Den Gesamtsiegerpokal nimmt Speedmaster mit in die Schweiz. Mit seinem neu erworbenen ex-Romeo-Nüssli Ford MB Cosworth reiht er sich vor Rainer Noller, Florian Heß, Kai Neu und Alexander Wolk in die Gesamtergebnisliste ein.
Schon am kommenden Wochenende (1. bis 3. Mai) geht es für NSU-Bergpokal, KW Berg-Cup und DBM für Division 1 und 2 im luxemburgischen Eschdorf weiter. Dabei kristallisiert sich vielleicht bereits der eine oder andere Favorit der Saison 2026 heraus. Nicht nur deshalb zählen wir dort und auf allen weiteren Stationen auf eure Unterstützung, liebe Berg-Cup Fans und Freunde.
Uli Kohl, 30.04.2026